5 Jahre Laib und Seele in St. Martin

Festrede am 05.09.2010 im 11 Uhr Gottesdienst


Liebe Gemeinde,

Genau heute vor 5 Jahren, am 5. September 2005, fand die erste Ausgabe von Lebensmitteln in unserer Gemeinde statt. Dazu, möchte ich heute rückblickend beschreiben, wie diese Aktion in St. Martin ins Rollen gekommen ist und noch heute Woche für Woche Lebensmittel an Hilfsbedürftige ausgibt.


Ende 2004 hatte die Berliner Tafel die Idee, mit Hilfe der Kirchengemeinden Lebensmittel an hilfsbedürftige Menschen zu verteilen. Die evangelische wie die katholische Kirche riefen so zusammen mit der Berliner Tafel die Aktion Laib und Seele ins Leben. Als über das Erzbistum die Anfrage an unsere Gemeinde kam und der Pfarrgemeinderat die Aktion initiierte, ahnte niemand, wie dauerhaft und erfolgreich die Ausgabestelle sich in St. Martin entwickeln würde. Ich erinnere mich noch an den ersten Termin, wo uns tatsächlich nur 10 Personen besuchten. Wir waren leicht frustriert, so viel vorbereitet zu haben, und dann kamen nur sehr wenige Menschen. Aber dies hat sich dann sehr schnell verändert und die Zahl der Bedürftigen stieg und stieg. Wir hatten damals im Pfarrgemeinderat eigentlich auch nur mit einer halbjährigen Aktion gerechnet, denn schließlich sind für so ein Unternehmen viele ehrenamtliche Helfer tätig.


Insgesamt gibt es in Berlin mittlerweile 45 Ausgabestellen, davon 6 in Reinickendorf. Auch in unserer Ausgabestelle helfen jede Woche eine Vielzahl von ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern. Von Anfang an war es leicht, Ehrenamtliche für dieses Projekt zu gewinnen. Die Gruppe hat ungefähr 40 Helferinnen und Helfer. Für uns als Gemeinde ist dies auch ein Ausdruck der christlichen Nächstenliebe, die wir hier in unserem Viertel praktizieren. Auch die Gruppe selber hat sich fest etabliert und ist auch eine in der Gemeinde beheimatete feste Größe.


Die Ausgabe der Lebensmittel erfolgt immer am Dienstagnachmittag. Bereits ab Montag früh fahren die ersten Helfer zu insgesamt 16 Supermärkten in unserem Bezirk sowie mehreren Bäckereien, die Lebensmittel für unsere Ausgabestelle spenden. Am Dienstag werden im Gemeindesaal die Tische aufgebaut und dann geht es daran, die gespendeten Waren zu sortieren und die zum Teil gammeligen, alten Lebensmittel per Hand zu entsorgen. Mit der Verlosung der Wartenummern beginnt dann die Ausgabe an die Menschen, die in unserem Postleitzahlbezirk wohnen. Es werden wöchentlich ca. 100 Haushalte mit 250 Menschen versorgt. Damit sind wir hier in St. Martin ein fester Bestandteil des Laib und Seele – Netzwerkes, dessen 45 Ausgabestellen monatlich über 6.000 Haushalte mit über 11.000 Menschen versorgen. Übrigens sind davon ein Drittel Kinder.


Unsere Helfer sind darüber hinaus auch zweimal jährlich bei der Aktion „Eins mehr“ der Kaisers-Supermärkte tätig. Sie sprechen die Kunden im Supermarkt mit der Bitte an, ein haltbares Lebensmittel mehr zu kaufen und für unsere Ausgabe zu spenden.


Wir sehen also, dass hier eine Vielzahl von Arbeit von dieser Gruppe für die Aktion Laib und Seele getan wird und vor allen Dingen viel Freizeit investiert wird.

Das heißt, die Helfer sind jede Woche immer wieder dabei, denn unsere Ausgabestelle ist bis auf wenige Ausnahmen das ganze Jahr geöffnet. Bedenken wir, dass die Ausgabe ja tagsüber geöffnet ist, so ist zu verstehen, dass die meisten unserer Helferinnen und Helfer Ruheständler sind. Und die Arbeit ist wirklich nicht immer schön, vor allem das aussortieren des faulen Obstes und Gemüses. Das erklärt auch die vielen Biotonnen, die am Ende des Tages gefüllt sind. Und wenn man dann am Dienstagabend ins Gemeindezentrum geht, dann ist zwar alles wieder blitzblank aufgeräumt, aber der Geruch der Tafel hängt noch gut in der Luft. Aber es geht ja nicht darum, dass hier immer alles nur angenehm sein muß. Ich denke hier zeigt sich auch gelebtes Christentum. Eine Säule unserer Christlichen Kirche ist ja auch die Caritas. So wie Jesus sich um die Armen und Ausgestoßenen gekümmert hat, so tun wir es hier im Dienst mit Laib & Seele. In der oft nüchternen Gesellschaft, wo oft nur noch materielle Werte im Vordergrund stehen, wollen wir ein Zeichen der Nächstenliebe setzten. Unsere Kirche und unsere Gemeindezentrum, dass von außen durch seine Betonfassade eher kalt wirkt, wird so im Inneren von Wärme gegenüber dem Anderen erfüllt. Uns Christen erkennt man ja äußerlich nicht als solche. Es steht nicht auf unserer Stirn geschrieben, obwohl manche den Fisch-Aufkleber am Auto haben. Uns Christen kann man aber an unseren Werken erkennen. Im Matthäus-Evangelium vom Weltgericht sprich Jesus im Kapitel 35 zu seinen Jüngern:

Denn ich war hungrig und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig und ihr habt mir zu trinken gegeben; und weiter in Vers 40

Amen, ich sage euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.


Dies, liebere Schwestern und Brüder, wird hier, in der Aktion Laib & Seele sichtbar. Darauf können wir als Gemeinde, können aber auch vor allem die Helferinnen und Helfer wirklich stolz.

Ich möchte mich im Namen des Pfarrgemeinderates sowie auch des Pastoralteams von St. Martin ganz herzlich bei allen Helferinnen und Helfern bedanken. Der Dank geht genauso an die vielen Spender, seien es die Geschäfte oder auch die Geldspender, die die Aktion damit weiter unterstützen. Ach ja, und wenn sie selbst mithelfen möchte, wir brauchen noch den ein oder Anderen zum Tische aufbauen.


Zum Schluss möchte ich noch einmal darauf hinweisen, dass wir zusätzlich zur Sonderkollekte für die Flutopfer in Pakistan heute auch eine Türkollekte für die Aktion Laib und Seele halten. Wenn Sie heute doch nicht so viel Geld dabeihaben, können Sie jederzeit im Pfarrbüro oder per Überweisung an die Aktion Laib und Seele spenden.

Im Anschluß an diesen Gottesdienst sind Sie herzlich in den Bernhard-Obst-Saal eingeladen, wo wir – vorbereitet durch die Helfer der Tafel – bei Kaffee und Brötchen noch gemeinsam beisammen sein wollen.

Feiern wir nun hier und jetzt diesen Gottesdienst im Bewusstsein, dass wir als Christen Verantwortung tragen auch gegenüber unserem Nächsten, sei er in Pakistan oder sein er hier im Märkischen Viertel.


Bernhard Trampenau und Martin Figur

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